Kommunikatoren im Stadtquartier
Nachhaltige Immobilien bieten nicht nur Mehrwerte für ihre Nutzer
Die soziale Funktion von Gebäuden wird in Zukunft einen größeren Raum einnehmen. Ein Indikator dafür ist z.B. der Leitfaden des DGNB-Gütesiegels, der den neuen Begriff der „Zugänglichkeit“ von Immobilien prägt: „Zugängliche“ Gebäude sind gut in ihr Umfeld und ihren urbanen Kontext integriert und erfahren durch ihre Öffnung nach außen eine große gesellschaftliche Akzeptanz bei Menschen, die sich in ihrem Umfeld bewegen. Architektur, Aufenthaltsqualität und Lage fördern die Funktion des Gebäudes als Kommunikator im Stadtgefüge.
Inhaltsübersicht
Umweltfreundliche Mobilität
Von besonderer Bedeutung ist für ein nachhaltiges Gebäude die Lage und Anbindung an das öffentliche Verkehrsnetz. Angesichts der Tatsache, dass weltweit rund 50% des gesamten Ölverbrauchs im Transportsektor anfallen, ist eine gute Erreichbarkeit auch zu Fuß oder mit dem Fahrrad bzw. die gute Anbindung an den ÖPNV Grundvoraussetzung für eine energieeffiziente Immobilie.
Fahrradstellplätze und Carsharing
Da ein Großteil der Autofahrten weniger als 5 km beträgt, kann der Umstieg auf das Radfahren maßgeblich zur Ausbildung einer umweltgerechten und energieeffizienten Mobilität beitragen. Die Planung von Fahrradstellplätzen sollte bei nachhaltigen Gebäuden selbstverständlich sein. Maßnahmen wie das Organisieren von Carsharing oder die Förderung von Fahrgemeinschaften tragen ebenfalls zu einer umweltgerechten Mobilität bei.
Außenbezug und Multifunktionalität
Die Entwicklung von Business-Neubauten geht hin zu einer neuen Flexibilität auch in Bezug auf ihre Nutzung durch Dritte. Ihre Außenanlagen sind für die Öffentlichkeit zugänglich, aber auch das Gebäude an sich und gebäudeinterne Einrichtungen wie z.B. Kantine oder Bibliothek stehen Besuchern offen. Grundsätzlich soll die Immobilie also möglichst vielen Nutzern offen stehen im Sinne eines „Gebäude-Sharings“ oder von multifunktionalen Räumen.
Kreative Flächenwirtschaftlichkeit
Nach Maßgabe der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) sollte möglichst eine öffentliche Nutzung am oder im Gebäude eingeplant werden, idealerweise mit barrierefreiem Zutritt im Erdgeschoss. Dies können Büroeinheiten sein, Tagungsräume, Ateliers, aber auch Restaurants und Cafés. Eine Flächenwirtschaftlichkeit in dieser Form spart nicht nur Kosten, sondern schafft auch ein vielfältiges kreatives Ambiente und steigert die Produktivität.
Städtebauliche Nachhaltigkeit
Der sparsame Umgang mit Bauland sowie die vorrangige Nutzung vorhandener Flächen und Gebäude sind weitere wichtige Faktoren soziokulturell hochwertigen Bauens. Nachhaltige Stadtplanung steuert einem Flächenverbrauch entgegen, der in Deutschland heute doppelt so hoch ist wie 1950: Inzwischen werden pro Tag im Durchschnitt 129 Hektar „grüne Wiese“ verbraucht. Das „Recycling“ nicht nur von Brachflächen, sondern auch von bestehenden Gebäuden, generiert Mehrwerte für urbane Lebensqualität und das städtische Mikroklima.
Flächensparendes Bauen statt „Urban Sprawl“
„Urban Sprawl“ ist eine immer geläufigere Bezeichnung für die wuchernde Ausbreitung von städtischen Zonen ohne geografisches Zentrum – als unrühmliches Beispiel gilt etwa Los Angeles. Eine nachhaltige Stadtplanung steuert dieser explosiven „Verstädterung“ entgegen durch flächensparendes Bauen: die Schließung von Baulücken, die Nachverdichtung vorhandener Bebauung durch Aufstockung oder die Umnutzung von Brachflächen.
Integration alter Bausubstanz
Die Wahrung und Erschließung des historischen und kulturellen Erbes ist nicht nur ein Hauptaspekt der Denkmalpflege, sondern auch einer nachhaltigen Stadtentwicklung. Die Integration historischer Objekte in das gesellschaftliche und städtebauliche Leben stellt einen unschätzbaren Gewinn für Menschen und ihre Lebensräume dar. Erst recht, seit Denkmalsanierung nach neuesten Richtlinien der Energieeffizienz erfolgt.
Kriterien des soziokulturellen Nutzens auf einen Blick
- Für die Öffentlichkeit nutzbare Außenanlagen
- Zugänglichkeit des Gebäudes für die Öffentlichkeit
- Barrierefreies Bauen
- Mindestens ein zu vermietender betriebsfremder Raum (Tagungsraum, Galerie etc.)
- Öffentlich nutzbare Einrichtungen wie Bibliothek, Caféteria etc.
- Mischnutzung, die der Bevölkerung zugute kommt (Friseur, Restaurants etc.)
- Schonender und sparsamer Umgang mit Bauland
- Integration alter Bausubstanz und Wahrung des Denkmalsschutzes
- Einbindung in das Verkehrsnetz







