Kleine Zeitreise der Initiativen

Die Anzahl der Maßnahmen und Initiativen für eine nachhaltige Immobilienwirtschaft hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen. In Summe wird immer deutlicher, was diese Art des modernen Wirtschaftens auszeichnet: der Dreiklang aus Ökologie, Ökonomie und Sozialem.

Die Anfänge lassen sich im erwachenden Umweltbewusstsein der späten 1960er Jahre entdecken, als der Arzt Hubert Palm mit Vorträgen zum Thema „Baubiologie“ auf sich aufmerksam machte. Der Fokus lag auf der reinen Ökologie. Ein Meilenstein dieser Bewegung ist die Erstveröffentlichung des Buches „Das gesunde Haus“ im Jahr 1968, das bis 1992 zahlreiche Neuauflagen erlebte. Ökonomische Aspekte rückten erstmals 1976 mit dem Energieeinsparungsgesetz (EnEG) in den Vordergrund. Die Verabschiedung des Gesetzes durch die Bundesregierung erfolgte unter dem Eindruck der damaligen Ölkrise. Erstaunlicherweise war es fast 30 Jahre in Deutschland gültig und wurde erst 2005 novelliert. Drei Jahre vor der Novellierung trat bereits die Energieeinsparverordnung (EnEV) in Kraft und hat die nachfolgende Entwicklung maßgeblich beeinflusst.

Erste Bewertungssysteme

Ende der 1980er Jahre kam international die Idee zur Zertifizierung der Nachhaltigkeit eines Gebäudes oder einer Gebäudeentwicklung auf. So rief das staatliche Building Research Establishment in Großbritannien 1990 die Zertifizierungsmethode BREEAM ins Leben. Diese wurde zunächst nur für Büroimmobilien angewendet und dann ausgeweitet. Mit einem anderen Ansatz folgte 1998 das Bewertungssystem LEED, das eher auf US-amerikanischen Standards beruht.

Nachhaltigkeitskodex erscheint

Einen wichtigen Schub für eine nachhaltige Immobilienwirtschaft in Deutschland gab im Jahr 2007 die Gründung der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB). Die DGNB brachte neben Ökologie und Ökonomie auch verstärkt sozio-ökonomische Aspekte in den Diskurs ein. Diesen Impuls hat Union Investment aufgegriffen und bereits im Jahr 2009 den Sustainable Investment (SI) Check eingeführt. Der Zentrale Immobilien Ausschuss (ZIA) veröffentlichte 2011 zudem einen umfangreichen Nachhaltigkeitskodex inklusive eines Leitfadens für die Immobilienwirtschaft. Anschließend entwickelte der ZIA in einer Arbeitsgruppe Regelungsempfehlungen für grüne Mietverträge. Union Investment forciert deren Umsetzung und hat Green Leases für Ihre Neuvermietungen in deutschen Büroimmobilien bereits 2014 als Standard implementiert

Leitfäden Portfoliomanagement und Soziale Verantwortung

Zwei Beispiele aus dem Jahr 2016 belegen, wie vielfältig und substanziell die Betrachtung eines nachhaltigen Wirtschaftens in der Immobilienbranche heute ist: Zunächst veröffentlichte der deutsche Fondsverband BVI seine „Leitlinien für nachhaltiges Immobilien-Portfoliomanagement“ und wenig später legte unabhängig davon der ZIA einen Leitfaden zur sozialen Verantwortung der Immobilienwirtschaft mit zahlreichen Praxisbeispielen vor. Das zeigt: Neben der Gebäudeökologie, die sich weiterentwickelt hat, wird nachhaltiges Wirtschaften heute ganz selbstverständlich auch unter harten ökonomischen Kriterien sowie unter sozialen Gesichtspunkten bewertet.

Ausblick: Wie geht es weiter?

Diese kleine Zeitreise ist der Auftakt zu einer Serie über aktuelle Initiativen in verschiedenen Gremien und Verbänden der Immobilienwirtschaft. Die weiteren Artikel der Serie zeigen auf, woran die Branche gerade arbeitet und welche Meilensteine sich der Geschichte der Nachhaltigkeit in Kürze hinzufügen lassen.