Der „grüne“ Mietvertrag schafft verbindliche Regeln

Die Ausgestaltung von Mietverträgen für „grüne“ Gebäude hinkt der Entwicklung auf dem Immobilienmarkt noch hinterher. Leitfäden für nachhaltiges Mieten und Vermieten schaffen Orientierung.

Nachhaltigen Gebäuden gehört die Zukunft 

Zahlreiche nationale und internationale Zertifikate und Gütesiegel dokumentieren heute den nachhaltigen Standard von Gebäuden. Auf Nachhaltigkeit ausgerichtete „grüne“ Mietverträge („Green Leases“) für Gewerbeflächen sind hingegen in Deutschland noch kaum verbreitet. Einheitliche Richtlinien fehlten bislang.

 

Dabei ist der Trend eindeutig: Immer mehr Unternehmen wünschen sich „grüne“ Gebäude. Sie tun dies aus gesellschaftlicher Verantwortung. Aber auch, weil sie von nachhaltigen, effizienten Liegenschaften einen ökonomischen Vorteil erwarten. Mieter freuen sich über niedrigere Kosten für Strom, Warmwasser und Heizung. Eigentümer und Investoren profitieren von einer höheren Attraktivität und besseren Vermarktbarkeit ihrer Immobilie.

Regeln der Nachhaltigkeit

50 Empfehlungen, von denen Eigentümer und Mieter profitieren

Dies war der Anlass für einige führende Immobilienunternehmen, sich zusammenzutun und gemeinsam Standards für „grüne“ Mietverträge zu entwickeln. Auch Union Investment unterstützte das Projekt. Das Ziel: Ein Rahmen für Mietverträge, der Mieter zu einer möglichst nachhaltigen Nutzung und Vermieter zu einer ebenso nachhaltigen Bewirtschaftung der Immobilie anhalten sollte – eine klassische Win-Win-Situation. Ein Katalog mit 50 Empfehlungen für Mietvertragsklauseln  (Stand: 2012) war schließlich das konkrete Ergebnis. Mit ihrer Leitlinie gewann die Projektgruppe den Immobilienmanager Award 2013 in der Kategorie „Nachhaltigkeit“.

Grüne Mietverträge entwickeln sich weiter

Die entwickelten Klauseln wurden einige Jahre am Markt „erprobt“. Der „Grüne Mietvertrag“ wurde allerdings nur sehr zögerlich von den Marktteilnehmern eingesetzt. Viele Vereinbarungen im Sinne der Umwelt fanden keine Akzeptanz im Rahmen eines Mietvertrags. Deshalb hat eine neue Arbeitsgruppe aus der Immobilienbranche gemeinsam mit Union Investment im Jahr 2015 einen weiteren, neuen Leitfaden "Grüne Mietverträge – Regelungs- und Handlungsempfehlungen für eine nachhaltige Gebäudenutzung" (Stand: 2015) entwickelt und publiziert. Dabei liegt der Fokus auf wenigen, jedoch konkreten und leicht umsetzbaren Zielen. Der Leitfaden enthält außerdem wertvolle Hilfestellungen, wie Beispiele eines Nutzerhandbuchs oder Definitionen für ökologische Bau- und Reinigungsmaterialien.

Ziele gemeinsam erreichen

Durch die gegenseitige Sensibilisierung, regelmäßigen Informationsaustausch und konstruktive Zusammenarbeit gelingt es den Mietvertragsparteien, das Nachhaltigkeitsniveau in der Bewirtschaftung und in der Nutzung des Gebäudes zu steigern. Dafür schafft ein Grüner Mietvertrag die notwendigen Rahmenbedingungen. Auch ohne vorherige praktische Erfahrungen auf dem Gebiet der Nachhaltigkeit können so Mieter und Vermieter an der Optimierung des Gebäudes gemeinsam arbeiten und die gesetzten Ziele erreichen.

Green Leases auf dem Vormarsch

Im Ausland, vor allem in den angelsächsischen Ländern, sind Green Leases teilweise schon deutlich verbreiteter als in Deutschland. Auf die internationalen Regelungen konnten die Verfasser der beiden Leitfäden  allerdings nur bedingt zurückgreifen. Zu unterschiedlich sind die rechtlichen Rahmenbedingungen. Interessanterweise werden im Ausland Regelungen als „grüne Errungenschaft“ gefeiert, die in Deutschland schon lange üblich oder sogar gesetzlich vorgeschrieben sind. Ein gutes Beispiel hierfür ist die verbrauchsabhängige Umlage von Betriebskosten.

 

Der hohe Stellenwert des Nachhaltigkeitsdenkens in der gesellschaftlichen Diskussion und der wachsende Druck des Gesetzgebers lassen erwarten, dass sich „grüne“ Mietverträge künftig auch in Deutschland immer mehr durchsetzen werden. Die neuen Empfehlungen bieten eine gute Grundlage, die nachhaltige Nutzung einer Immobilie zwischen Mieter und Vermieter schon jetzt auf freiwilliger Basis verbindlich zu regeln.